Die 1533  von Agrippa von Nettesheim (eigentlich Heinrich Cornelius) veröffentlichte geheime Philosophie (De occulta Philosophia) ist ein besonders ausführliches Werk über magische Wechselbeziehungen und Korrespondenzen. Das Buch enthält genaue Anweisungen zur
Talismanherstellung und Erklärungen zur Magie von Ziffern und Wörtern sowie eine Liste mit Bildern von Planeten, die ganz im Zeichen der hermetischen Tradition stehen und dem Picatrix ähneln.

Agrippa argumentiert mit der Dreiteilung der Welt in eine körperliche, eine seelische oder astrale (anima) und eine geistige (spiritus) Welt. So wie die Welt ist auch das Werk Agrippas in drei Teile gegliedert. Im Buch I wird die materielle Welt beschrieben, die sich aus den vier Elementen zusammensetzt. Das Buch II handelt von der astralen Welt mit seinem Tierkreis und den wunderbaren Körpern. Im Buch III geht Agrippa auf die geistige Welt der Engel, der Intelligenzen und der Ideen ein. 
 

Die einzelnen Welten stehen in einer hierarchischen Beziehung zueinander. Aus der geistigen Welt ist der Himmel entstanden, aus dem wiederum die materielle Welt hervorgegangen ist. Die Verbindung zwischen dem Oberen und dem Unteren erfolgt mithilfe der Astrologie, woraus der Gedanke einer auf Seelenverwandtschaften basierenden astralen Magie entstanden ist.

Das Werk Agrippas ist von herausragender Bedeutung, da in ihm alle astralen Seelenverwandtschaften, die Eigenschaften von Pflanzen sowie ihre Beziehungen zur Tier-, Mineral- und Pflanzenwelt enthalten sind.

So schenkt Agrippa der Wechselbeziehung zwischen Ziffern und Elementen besondere Aufmerksamkeit:
die 4 entspricht dem Feuer, die 6 der Erde, die 8 der Luft und die 12 dem Wasser. Die heiligen Planetentafeln sind magische Quadrate, die zum Anrufen bestimmter Sterne verwendet werden. Ein Beispiel: Die erste Tafel wird Saturn zugeordnet und setzt sich wie folgt zusammen: " ein Quadrat mit drei Spalten, in denen neun besondere Zahlen enthalten sind, wobei jede Spalte von allen Seiten aus betrachtet aus drei Zahlen besteht, während die Diagonalen die Zahl fünfzehn und alle Zahlen der gesamten Tafel zusammengenommen fünfundvierzig ergeben ".

 
4
9
2
3
5
7
8
1
6

Laut Agrippa stellt diese in eine Klinge aus Blei gravierte Tafel den vom Glück begünstigten Saturn dar. Sie soll den Frauen bei der Niederkunft beistehen und dem Mann Selbstsicherheit und Macht verleihen.
Wenn das Quadrat jedoch im Zeichen des vom Unglück verfolgten Saturnes steht, führt es zu Entehrung und Entwürdigung und fördert Zwietracht.

 
Die Sonnentafel besteht aus einem Quadrat mit 6 Spalten und 6 Zeilen. Es enthält 36 Zahlen, die zusammengezogen 666 ergeben. Die Addition einer jeden Zeile, Spalte und Diagonale ergibt 111.
Wenn die Tafel in eine goldene Klinge graviert wird, die eine vom Glück begünstigte Sonne darstellt, verhilft dieses Quadrat zu Ruhm und Macht.
 

Im zweiten Buch der Trilogie sind verschiedene Alphabete und chiffrierte Codes beschrieben, die der Autor gruppiert, ohne dabei immer seine Quellen anzugeben. So hat Agrippa beispielsweise den nachstehend abgebildeten Code "in zwei sehr alten Büchern über die Magie und die Astrologie" gefunden, ohne den Titel zu erwähnen.

 
 
Agrippa führt sogar das römische und griechische Zahlensystem auf. Letzteres ist aus dem Alphabet entstanden und in drei Klassen untergliedert: in der ersten Klasse befinden sich die Einer, in der zweiten die Zehner und in der dritten die Hunderter.

 

Ein kleines Komma unter einem Zeichen bedeutet, dass der jeweilige Buchstabe mit Tausend multipliziert werden muss.

   
Weiterhin untersucht Agrippa die Wechselbeziehungen zwischen den chaldäischen esoterischen Zeichen (in der ersten Spalte sind die 12 Tierkreiszeichen zu erkennen, gefolgt von den 7 Planeten und dem Weltgeist), den hebräischen Buchstaben (2. Spalte) und den griechischen Buchstaben (4. Spalte).  
   
 
 
In den Büchern ist auch das Alphabet abgebildet, das Honorius von Theben auf dem Appon-Stein hinterlassen hat, wobei für jedes Zeichen der entsprechende Buchstabe angegeben wird.
Es fällt auf, dass 3 Buchstaben fehlen: J - V - W.
 
 
Agrippa beschreibt die Verwendung astraler Bilder mit großer Genauigkeit:
 

Jupiter vergrößert das Glück, bringt Reichtum und Ehre, das Wohlwollen der Mitmenschen und Wohlstand, er befreit den Menschen aus den Händen seiner Feinde.

Mars verschafft dem Menschen Macht, gibt ihm Kühnheit, Mut und Glück.

Saturn verlängert das Leben, hilft gegen Nierenkrankheiten, vermehrt die Dinge und sagt die Zukunft voraus.

Die Sonne macht den Menschen unbesiegbar, vertreibt nutzlose Träumereien und schützt gegen Fieber und Pest.

Mit Venus erlangt der Mann die Gunst, das Wohlwollen und die Liebe der Frauen; der Planet verhilft zu Schönheit; unter seinem Einfluss wird der Mann ruhig, angenehm, stark und lebhaft.

Merkur fördert Wissen, Redekunst, Geschicklichkeit und gute Geschäfte, Intelligenz und Gedächtnis, und heilt Fieber.

Der Mond ist ein Mittel gegen die auf dem Weg aufkommende Müdigkeit, trägt zur Vermehrung und zum Wachstum der Dinge bei, die aus der Erde kommen, und schützt gegen Behinderungen bei Kindern.

 

Anschließend beschreibt er die Zeichen eines jeden Planeten, die auf den Talisman übertragen werden müssen; dabei ist der Stern zu berücksichtigen, der angerufen werden soll.

Um einen Talisman zur Verlängerung des Lebens herzustellen, muss das Zeichen Saturns auf einen Saphir, einen Magneten oder brauen Jaspis übertragen werden; anschließend werden die Extrakte des schwarzen Feigenbaums, der Alraune oder der Zypresse unter Berücksichtigung der von Agrippa mitgeteilten freundlichen Beziehungen hinzugefügt.