Das Picatrix ist ein Handbuch der astralen Magie, dem das Vorhandensein von freundlichen und feindlichen Wechselbeziehungen zugrunde gelegt ist. Es wurde mit aller Wahrscheinlichkeit im 12. Jh. in Arabisch geschrieben und enthält eine Beschreibung der Talismankunst, wie sie von den Arabern in Harran praktiziert wurde.

Die Übersetzung ins Lateinische wird Alfons (X.) dem Weisen zugeschrieben. Die lateinische Übersetzung war in der Renaissance weit verbreitet und hat die Werke von Pierre d'Abano, Marsilio Ficino und Henricus Cornelius Agrippa von Nettesheim nachhaltig beeinflusst. Pico de la Mirandola verfügte sogar über ein eigenes Exemplar in seiner Bibliothek. Mit der Zeit ist das Picatrix allerdings in Vergessenheit geraten.

 

Das Picatrix zählt zu den umfangreichsten und ausführlichsten Abhandlungen über die Magie und ist damit das ideale Handbuch des Magiers, der darin Formeln für die unterschiedlichsten Zwecke findet: "Zerstörung einer Stadt mithilfe von Sonnenstrahlen" oder auch "Beeinflussung von entfernten Menschen". Daneben enthält das Picatrix eine Liste magischer Bilder mit einer entsprechenden Gebrauchsanweisung. Das Werk beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen, Steinen, Tieren und Planeten sowie Methoden für ihre Verwendung zu magischen Zwecken. In diesem Zusammenhang geht die Schrift auf die Kraft magischer Bilder ein, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden. Die verschiedenen Amulette und Prozeduren dienen unterschiedlichsten Zwecken: Heilung von Krankheiten, Verlängerung des Lebens, Erfolg, Flucht aus dem Gefängnis, Sieg über Feinde, Anziehung der Liebe einer anderen Person.

Laut Ghayat Al-Hakim ist das Universum in drei Welten untergliedert:
Materia, Spiritus und Intellectus. Die ganze Magie des Picatrix beruht auf dem Einfangen und Weiterleiten des geistigen Einflusses eines Sterns auf die Materie mithilfe der Talismankunst. Die Schrift erklärt die genaue Vorgehensweise: das Bild desr Sternse muss in eine entsprechende Vorlage graviert werden.

Das Zauberbuch enthält 4 Bücher:


Die Bücher I und II enthalten Gebete und versprechen tiefgreifende Enthüllungen, die mit philosophischen Konzepten über die Ordnung der Natur vermischt sind. Weiterhin ist in den Büchern eine Beschreibung der Talismankunst zu finden, für die gründliche Kenntnisse in der Astrologie, der Astronomie, der Musik und der Metaphysik erforderlich sind. Der Autor stellt eine Liste mit den Bildern auf, die zur Herstellung eines Talismans verwendet werden können, und zeigt ihre Beziehung zu den Planeten und den 36 Dekanen mit ihren jeweiligen Tierkreiszeichen.

 

Den drei Dekanen des Widders sind folgende Bilder zugeordnet:

"In der ersten Phase des Widders erscheint ein Mann mit roten Augen, einem wilden, langen Bart, der in ein Gewand aus weißem Leinen gekleidet ist und beim Gehen gestikuliert; mit einem roten Schal um seine Hüften hält er sich auf einem Bein stehend aufrecht, als würde er den Blick auf etwas vor ihm stehendes richten.

In der zweiten Phase des Widders erscheint eine Frau, die in einen roten Schal gehüllt ist; auch sie hat nur einen Fuß und ihr Gesicht ähnelt dem eines lebhaften und wütenden Pferdes. Sie sucht ihren Sohn, Kleidung und Schmuck sowie ihre Tochter.

In der dritten Phase des Widders erscheint ein weiß-roter Mann mit roten Haaren, der sehr wütend und stark beunruhigt zu sein scheint; in seiner rechten Hand hält er ein Schwert und in seiner linken ein Horn. Er trägt ein rotes Gewand, ist gelehrsam und verfügt über ein vollkommenes Wissen; er ist ein geschickter Meister im Schmieden von Eisen. Er wünscht Gutes und will nichts Böses. "

Alle sieben Planeten verfügen jeweils über eine spezifische Bilderliste. Auf den letzten Seiten der Schrift sind seltsame Bilder zu finden, die zu den Beschreibungen gehören. Je nach dem Stern, der angerufen werden soll, sind diese Bilder in den Talisman zu gravieren.

 
 
Bild der Sonne
Bild des Jupiter
Bild der Venus
 
 

Das Buch III beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen den Steinen, Pflanzen, Tieren bzw. anderen Elementen und den

verschiedenen Planeten und Zeichen. Aus diesen Beziehungen geht hervor, wie der Magier beim Anrufen des Spiritus der Planeten mithilfe ihrer Namen und ihrer Kräfte vorgehen muss.

 

Das Buch IV ist den Vorgehensweisen bei Räucherungen und planetaren Gebeten vorbehalten.

 

Das Picatrix enthält zahlreiche Formeln, mit denen sich Krankheiten bekämpfen und positive Einflüsse auf eine bestimmte Person lenken lassen.

 

Sieg über einen Feind: "Mache zwei Bilder: das eine Bild zur Stunde der Sonne, wenn der aufsteigende Löwe und der Mond aus dem Winkel des Aszendenten fallen, das andere Bild zur Stunde des Mars im Zeichen des Flusskrebses bei aufsteigendem Mars und fallendem Mond. Das Bild muss einen Mann darstellen, der einen anderen schlägt. Begrabe das Bild zur Stunde des Mars, sobald die erste Phase des Widders erscheint. Anschließend hast du Macht über deine Feinde und kannst sie auf verschiedene Weisen beherrschen."

 

Heilung einer Verletzung oder eine Wunde: "Übertrage das Bild eines Skorpions zur Stunde des Mondes auf einen Haarballstein, wenn sich der Mond in der zweiten Phase des Skorpions befindet und Löwe, Stier und Wassermann als Aszendenten auftreten; fasse den Stein in einen goldenen Ring und versiegele ihn mit erweichtem Weihrauch in der oben genannten Konstellation und gebe dem Verletzten davon zu trinken. Diese Siegel sind stärker als Weihrauch und du verbindest im gleichen Moment die Wunde."

 

Vermehrung von Ernte und Pflanzen: "Graviere das Bild eines inmitten von Ernte, Bäumen und Pflanzen sitzenden Mannes in eine Silberklinge, und zwar während der Mond in dem ist, der von der Sonne zu Saturn geht und an einem beliebigen Ort begraben ist. Alle Pflanzen, die sich dort befinden, und alle Saat wird sofort wachsen, ohne von Tieren, Vögeln oder stürmischen Winden beschädigt zu werden."